Nein, noch kein Ostereintrag in meinem Blog. Es geht vielmehr darum, Eier zu haben. In letzter Zeit scheint dies hauptsächlich Frauen vorbehalten zu sein (ich hoffe sie verzeihen mir meine vulgäre Ausdrucksweise). Angela Merkel, Ursula von der Leyen, Gabriele Pauli (sie alle kenne ich nicht persönlich, sie sollen hier nur exemplarisch stehen) haben sie jedenfalls - im übertragenen Sinn und ohne auch nur im entferntesten daran zu denken, sie in ihrer Weiblichkeit zu kränken. Ich meine hier politische Eier. Den männlichen Kollegen der genannten Frauen jedenfalls scheinen die Eier abhanden gekommen zu sein. Sie knicken ein vor der Tabaklobby, sie fahren lieber große Dienstwagen als Schwanzersatz (da scheint es einen Zusammenhang mit den fehlenden Eiern zu geben). Naja, ein paar Eierträger gibt es auch noch unter uns Männern. Einer von ihnen ist Manuel Alegre. Nie gehört? Er gehört zur seltenen Spezies der Dichter-Politiker und ist Vizepräsident des portugiesischen Parlaments. Am Freitag liest er auf der Leipziger Buchmesse aus seinem Buch »Rafael«. In seiner Biografie schreibt er:
»Wenn ich die Dinge tue, die ich mag, tue ich sie intensiv. Fischen zum Beispiel. Oder Reisen. Oder Teilen: den Genuss eines guten Essens mit der Familie und Freunden teilen, die Erfahrung eines konspirativen Treffens, die Kameradschaft der nie verloren gegangenen Illusion, dass die Revolution immer noch notwendig und möglich ist. Ich würde sagen, sie ist eine andere Art des Schreibens. Intensiv, dicht, gespannt. Wie die Liebe. Vielleicht wie der Tod.«
Dienstag, 20. März 2007
Mittwoch, 14. Februar 2007
Neulich bei der Berlinale
Vorgestern abend am Potsdamer Platz. Ich sah mit M. und K. den malayischen Dokumentarfilm »Village People Radio Show«. Die Auswahl des Films war mehr oder weniger zufällig, da wir keine Karten vorbestellt hatten und nur dieser Film und eine Dokumentation über Andy Warhol zur Auswahl standen. Der Warhol-Film dauerte 4 Stunden, also entschieden wir uns für Malaysia. Der Film war ausgesprochen klug und sogar kurzweilig. Ich sage nicht überraschenderweise, denn das wäre eine Beleidigung des Regisseurs in meinen Augen. Es ging um die ehemaligen muslimischen Kommunisten oder kommunistischen Muslime, die in der Rebellenarmee Jahre lang im Dschungel gegen die britischen Besatzer und für die Unabhängigkeit Malaysias gekämpft hatten. Malaysia weigert sich bis heute, diese Menschen und die Kommunistische Partei anzuerkennen. Sie leben in den Wäldern Thailands, das ihnen etwas Land und eine kleine Rente zahlt. Sie sind stolz auf ihren Widerstandskampf und genießen ihren Lebensabend. Sind sie Kommunisten? Auch wenn sie sich so bezeichnen, würde ich sagen, es sind Menschen, die sich ihre Menschenwürde bewahrt haben, die sich Bildung angeeignet und gegen den Kolonialismus gekämpft haben. So zeigte sie der Film. In der anschließenden Diskussion stachen vor allem zwei Fragen heraus: Die nach den im Film nicht präsenten Frauen und die nach den Mädchen, die beim Spielen gezeigt wurden und Kopftücher trugen. Weder das eine noch das andere hatte etwas mit dem Film zu tun, wer Augen, Ohren und gesunden Menschenverstand hatte, wäre auch gar nicht auf den Gedanken gekommen. Amir Muhammad, der Regisseur, war von den Fragen ebenso überrascht, aber nicht um eine Antwort verlegen. Auf die Frage, warum die Frauen nicht präsent waren, antwortete er: »Sie fühlten sich von den Dreharbeiten wohl gestört und gaben nur knappe Antworten. So wollte ich sie aber nicht zeigen, weil ich ihnen damit nicht gerecht geworden wäre.« Auf die zweite Frage, warum denn die Mädchen alle Kopftücher tragen würden, sagte der mit einem Lachen: »Sie haben Angst, in die Hölle zu kommen.«
Sonntag, 4. Februar 2007
Die Gesichter der Generation Praktikum

J. (li.) ist eigentlich keine Praktikantin mehr, aber das genau ist das Problem der so genannten Generation Praktikum. Es ist schwer, den Schritt vom Praktikum zur bezahlten Arbeit zu machen, die den Namen auch verdient und mehr als nur ein Taschengeld einbringt. Genau genommen sind die Praktikanten also Selbständige, die aber kaum von ihrem Lohn leben können. Also helfen die Eltern oder Hartz IV aus. Deutschland ist im Begriff, eine verlorene Generation heran zu ziehen. Ein paar Beispiele gefällig? Da ist ein guter Freund, promovierter Politikwissenschaftler und alles andere als praxisfern. Er forscht über jugendliche Subkulturen und hat zur aktuellen Bildungsdebatte mehr als nur eine Meinung beizutragen. Er hat sogar Ideen. Die sind in diesem Land allerdings nicht gefragt. Nach Absschluss seiner Promotion lebte er eine Zeit lang von Hartz IV. Inzwischen ist er Honorarkraft für verschiedene Institutionen. Unter anderem für das Land Thüringen. Er erhält 800 Euro im Monat. (Honorar, wohlgemerkt, kein Gehalt) für eine Arbeit, die ihn ohne Weiteres voll in Anspruch nehmen könnte. Ein weiteres Beispiel gebe ich nur wieder. Ich habe die Geschichte aus zweiter Hand gehört, kann mich allerdings für ihre Wahrheit verbürgen. Eine Hochschulabsolventin, schwanger, meldete sich arbeitslos. Kommentar der Sachbearbeiterin: »An ihrer Stelle würde ich erschießen.« In was für einem Land leben wir eigentlich?
Dienstag, 30. Januar 2007
Wir und die Anderen
In Berlin wurde heute das Europäische Jahr der Chancengleichheit für alle eröffnet. In der französischen Botschaft fand ein Forum zum Thema Integration und Chancengleichheit statt. Im Abschlusspanel saßen unter anderem die Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Prof. Dr. Maria Böhmer sowie der französische Minister für Förderung von Chancengleichheit, Azouz Begag. Frau Böhmer und Herr Begag verstanden sich gut, das heißt sie tauschten freundliche Statements zu den unterschiedlichen Positionen beider Länder aus. Herr Begag, muss dazu gesagt werden, ist Sohn algerischer Einwanderer und in der Lyoner Banlieue aufgewachsen. Frau Böhmer attestierte ihm, sich mit Leidenschaft dem Thema Integration und Chancengleichheit zu widmen und betonte, dass Deutschland eher den systematischen Weg geht. Leidenschaft vs. Systematik - damit erhob Frau Böhmer zwei Stereotype zum Leitbild von Politik. Es verwundert wenig, wenn Migranten in Deutschland - bei allem Respekt vor den Kompetenzen und Leistungen Frau Dr. Böhmers - auf Menschen wie sie, deren Erfahrungen mit fremden Kulturen in einem Forschungsaufenthalt an der Unversität Cambridge bestehen, pfeifen. Würde statt ihrer ein türkisch stämmiger Deutscher sich im Auftrag der Bundesregierung um Integration und Chancengleichheit kümmern, käme vielleicht von ganz allein mehr Leidenschaft auch auf deutscher Seite ins Spiel. Und man müsste nicht alte Klischees aktualisieren und auf politischer Ebene verbreiten, die zu den größten Integrationshindernissen zählen.
Kamingespräche
Eine Freundin aus Portugal kommt mich im Februar besuchen. Neben dem üblichen Sightseeing haben wir uns auch vorgenommen, einige gute Kamingespräche zu führen. Ich habe zwar keinen Kamin (wohl einen Kachelofen, was aber nicht das gleiche ist), aber freue mich auf diese Art der Konversation. E., besagte Freundin, unterrichtet und schreibt. Sie hat ein Buch veröffentlicht und ihr zweites in Arbeit. Leider ist bisher keiner ihrer Texte übersetzt. Aber ich arbeite daran und hoffe, eines Tages einen Verlag für sie zu finden.
Freitag, 26. Januar 2007
Groß und kLEIN

Heute war ich seit Jahren zum ersten Mal wieder in einem Studentenclub. Zu meinen Studentenzeiten habe ich mich selten in solchen aufgehalten. Ich gebe zu, eine gewisse Abneigung gegen derartige Etablissements gehabt zu haben. Vielleicht ist das aber auch nur die Arroganz eines Großstadtstudenten gegenüber den Kleinstadtstudenten. Als Großstadtstudent konsumiert man Kultur und Getränke, die es an jeder Straßenecke und in jeder Preislage gibt. Kleinstadtstudenten dagegen sind Gärtner in einer nicht gerade blühenden Kulturlandschaft. Auf einen Kaffee und eine Zigarette war ich Gast in einem wunderbaren Café, während draußen die Wohnheimblocks in einem bleiernen Licht, das noch mehr Schnee verhieß, versanken. Danke A., D. und M. für die halbe Stunde, die ich mich bei euch heimisch fühlen konnte.
Noch fehlt dem Winter die Magie…
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